Unvereinigtes Königreich: Abspaltung Schottlands wäre gut für England – Sean Gabb – eigentümlich frei


 

Unvereinigtes Königreich: Abspaltung Schottlands wäre gut für England

von Sean Gabb

Vorteilhaft auch für die angeschlagene bürgerliche Zivilisation

Die übliche englische Antwort auf den schottischen Nationalismus ist, ihn zu ignorieren, ihn als Irritation zu betrachten oder ihn unter Erinnerung an die gemeinsame Geschichte herunterzureden oder den Wert englischer Subventionen hervorzuheben und darauf zu warten, dass sich in der Debatte der gesunde Menschenverstand durchsetzt. Ich behaupte, dass keine dieser Reaktionen angemessen ist. Keine davon berücksichtigt, dass England und Schottland verschiedene Nationen sind und dass der lauteste und aktivste Teil der schottischen Nation entschieden hat, dass die derzeitige Union der Nationen nicht im schottischen Interesse ist. Das bedeutet nicht notwendig, dass die Auflösung der Union unausweichlich ist. Es macht sie jedoch erstrebenswert. Schottland mag unter der Union gelitten haben, oder auch nicht. Aber die Union hat viel dazu beigetragen, England an den Punkt des Zusammenbruchs zu bringen und es scheint mir vernünftig zu sagen, dass die Sicherheit Englands niemals gewährleistet werden kann, solange sich schottische Mitglieder im Westminster-Parlament befinden.


Nehmen wir die Revolution von New Labour als Beweis dafür. Seit 1997 wurde England weitreichend umgestaltet. Es gibt wenige Institutionen oder administrative und gesetzliche Verfahren oder auch nur Voraussetzungen aus der Zeit vor 1997, die ein seither Aufgewachsener noch begreifen könnte. Die Entkernung des Oberhauses, die geänderten Aufgaben der Richter, die Gesetze, die politische Parteien regulieren und die es ungewählten Beamten erlauben, gewählte Abgeordnete zu kontrollieren und sogar abzusetzen, die neuen Strafgesetze und neue Arten straf-und zivilrechtlicher Verfahren, die Ernennung kommissarischer Einheiten in jeder Regierungsbehörde und den meisten privaten Unternehmen zur Einführung der totalitären Ideologie der Political Correctness – dies und vieles andere bedeuten zusammengenommen, dass sich das gegenwärtige Leben in England sehr von allem unterscheidet, was wir vorher kannten. Außerdem ist da noch unsere fortgesetzte und sogar beschleunigte Integration in die Europäische Union. Und es gab die vom Staat finanzierte Ansiedlung in England von Millionen, die in ihrer Erscheinung und ihrem Verhalten fremd sind. Jeder leicht abzureißende Faden von Kontinuität zwischen der englischen Gegenwart und der Vergangenheit wurde getrennt.

Natürlich fing diese schleichende Revolution nicht 1997 an – sie wurde unbestreitbar offensichtlich, als Margaret Thatcher im Amt war. Sie war auch nicht auf England beschränkt – jedes andere zivilisierte Land ist in die Hände einer totalitären Oberschicht gefallen. An jedem Ort, wo sie existiert, findet ein Angriff auf die bürgerliche Zivilisation statt. Dieser Angriff wird von denen geführt, die in den 1970er Jahren jung waren und die eine Menge Unterstützung von wirtschaftlichen und anderen Interessengruppen bekommen. Aber, dies vorausgesetzt, sei daran erinnert, wie viele der Labour-Minister Schotten waren. Es gab Tony Blair und Gordon Brown, Robin Cook, John Reid, George Robertson, Wendy Alexander, Yvette Cooper, Doug Henderson und so weiter und so fort. Unterhalb der Führungsschicht sprach eine erstaunliche Anzahl der Labour-Abgeordneten oder -Beamten mit schottischem Akzent. Die Labour-Partei, die aus ihrer Problemphase in den 1980er Jahren hervortrat, war überproportional schottisch – und betont schottisch. Ihre politischen Ambitionen waren in der Labour Partei und nicht in der Schottischen Nationalpartei angelegt. Dies gab ihnen nichts anderes als ein sehr schwaches Gefühl einer britischen Identität und kein erkennbares Verständnis oder Sympathie für die Engländer.

Der zentrale Umstand der schottischen Geschichte ist die englische Vorherrschaft gewesen. Seit dem elften Jahrhundert ist England eine reiche, mächtige und vereinte Nation gewesen, die loyal zu ihrer Regierung stand, welche sich – im großen und ganzen – ihr gegenüber verantwortlich gezeigt hat. In den letzten tausend Jahren war Schottland zumeist dünn besiedelt und ohne Handel. Seine Einwohner waren sprachlich und kulturell gespalten, auch durch ihre politische Zugehörigkeit und manchmal durch Religion. Es wäre ein Wunder, wenn Schottland unter diesen Umständen jemals wirkliche Unabhängigkeit erreicht hätte. Es hatte diese fast nie. Die politische Union von 1707 brachte Schottland unter ein fast ausschließlich englisches Parlament. Die Union der Kronen von 1603 verschaffte Schottland, nach einer Regentschaft, einen englischen König. Auch davor war der wichtigste Bürger in Edinburgh fast immer der englische Botschafter. Selbst wenn dort keine englische Armee stationiert war, unterlag Schottland in wechselndem Ausmaß der Herrschaft Londons.

Deshalb kann Schottland auf keine sinnvolle Weise unabhängig sein, solange es England zum Nachbarn hat. Und das ist der Hauptgrund für die New Labour Revolution und die überproportionale schottische Beteiligung an New Labour. Unbestreitbar war dies Teil eines übergreifenden Projekts, die bürgerliche Zivilisation zu zerstören. Dies zu verstehen bedarf es der Lektüre von Karl Marx und Antonio Gramsci und Louis Althusser und Michel Foucault und all den anderen. Gleichzeitig war dies ein Versuch, die schottische Unabhängigkeit durch die Zerstörung Englands möglich zu machen. Teile England in ein halbes Dutzend Euro-Regionen; stelle diese in Konkurrenz zueinander für Gelder und Privilegien aus Brüssel; fülle das Land mit 10 oder 20 Millionen Fremden; mache es illegal, oder zumindest zum Ausdruck schlechten Geschmacks, eine englische Indentität zu haben – und der Weg ist frei für Schottland, genauso unabhängig wie jede andere kleine Nation zu sein.

Dies würde die steigenden Pegel schottischen Hasses erklären, den viele englische Besucher spüren. Als ich 1994 Glasgow besuchte, gab es dort viel gutmütigen Spott über die Engländer. Als ich 1997 wieder dort war, trieb mich die Feindseligkeit sogar der Beschäftigten aus einem Café. Im Jahr 2000 besaß ein Taxifahrer die Frechheit zu behaupten, er sei unfähig, meinen Akzent zu verstehen. 2002, als ich auf Hass mit Hass antwortete, versuchte ein anderer Taxifahrer mich für nicht näher beschriebene Drogenvergehen verhaften zu lassen. Schottische Politiker und Behörden kooperieren bei der Diskriminierung der Engländer. Die schottischen Unterschichten sollten am besten gemieden werden.

Der Grund ist einfach. Wenn du jemanden hasst, wirst du ihn vielleicht zerstören wollen. Aber wenn du jemanden zerstören willst, ist es fast immer notwendig, ihn zu hassen. Die Schotten behaupten, uns für das zu hassen, was wir ihnen angetan haben. In Wahrheit hassen sie uns für das, was sie uns antun wollen. Eingedenk der Tatsache, dass die Labour-Partei eine schottische Fassade bleibt und dass die Konservativen die nächste Wahl verlieren können, ist die Union von 1707 derzeit gefährlicher für England als die Mitgliedschaft in der Europäischen Union.

Nebenbei stellt sich die Frage, warum so viele englische Konservative dieser Analyse nicht zustimmen. Ein Grund ist eine sentimentale Bindung an Tatsachen, die aufgehört haben zu existieren. Dies führt zu den, wie ich finde, absonderlichsten Behauptungen von Anhängern der Konservativen Partei – zum Beispiel, dass die Europäische Union das Vereinigte Königreich auflösen möchte, um England zu absorbieren, wohingegen die Europäische Union lediglich Bestandteil des schottischen Angriffs auf England ist. Ein noch weniger achtbares Motiv ist, dass viele der konservativen Führer selbst Schotten sind. Ein Ende der Union würde sie als Ausländer in England bloßstellen und ihre Unwählbarkeit in Schottland zementieren.

Am wichtigsten sind die wahltechnischen Überlegungen. Auf kurze Sicht würde das Entfernen der schottischen Mitglieder eine konservative Vorherrschaft über das Parlament bringen. Auf lange Sicht würde das Entfernen der Labour-Gefahr jedoch bedeuten, dass englische Konservative nicht länger gezwungen wären, die Konservative Partei zu wählen. Ich glaube nicht, dass viele, die 2010 konservativ gewählt haben, die geringste Begeisterung für David Cameron und William Hague und George Osborne hegten. Diese sind nur an die Regierung gekommen, weil eine Mehrheit des englischen Volkes die Labour-Partei fürchtete und hasste. Entfernt man die Bedrohung durch Labour, dann gäbe es die Freiheit, wie bereits bei den Europawahlen, andere als die Konservativen zu wählen. Offensichtlich profitiert Labour von der Union mit Schottland. Aber ebenso profitieren die Konservativen, indem sie das Feindbild Labour am Leben halten.

Daher bin ich dafür, dass die Union zwischen England und Schottland vollständig aufgelöst werden sollte. Es sollte keine Zollunion oder gemeinsame Währung geben, kein Recht auf Bewegungsfreiheit und Ansiedelung, kein gemeinsames Staatsoberhaupt, keine Koordination der Außenpolitik oder Verteidigung. Schottland und seine Staatsbürger sollten nach englischem Recht genauso zu Ausland und Ausländern werden, wie es Uruguay und seine Bürger jetzt sind. Dies mag bei sinnvoller Betrachtung nicht im Interesse des schottischen Volkes liegen. Aber das ist nicht mein Problem. Es sollte sicherlich Teil der englischen Politik sein, Instabilität nördlich der Grenze zu verhindern, die zu ausländischer – und damit feindlicher – Intervention ermutigen könnte oder die Massen von hungernden Flüchtlingen dazu veranlassen könnte, gegen die Grenzzäune zu drücken. Aber sobald die Union aufgelöst worden ist, werde ich unbeugsam jegliche Struktur gemeinsamer Institutionen zwischen England und Schottland ablehnen.

England benötigt nicht weniger. Vielleicht verdient Schottland alles in allem nicht weniger.

Information:

Dr. Sean Gabb ist Engländer und Direktor der United Kingdom Libertarian Alliance. Der Artikel wurde erstmals am 8.2.2012 unter dem Titel „A Brief Argument for English Independence“ auf dem Blog der Libertarian Alliance veröffentlicht. Übersetzung für ef-online von Robert Grözinger

14. Februar 2012

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4 responses to “Unvereinigtes Königreich: Abspaltung Schottlands wäre gut für England – Sean Gabb – eigentümlich frei

  1. Ican can nicht verstanden. Es ist alles in foreign…

  2. The Libertarian Alliance is in no sense an exclusive body. If people wish to write in some dialect of foreignese, we honour their diversity. Let a thousand flowers bloom – so long as they are all blue and leaning to the right!

  3. well a German branch of libertarianism would be a boon, given the EU and the euro crisis.